Die Strandpromenade von Süssau: Ein verstecktes Juwel an der Ostsee
Ein verstecktes Juwel an der Ostsee
Wer an die Ostseeküste Schleswig-Holsteins denkt, dem fallen meist die großen Namen ein: Scharbeutz, Travemünde, Grömitz. Doch genau zwischen diesen belebten Seebädern liegt ein Ort, der sich bewusst zurückhält, der nicht mit Las Vegas-artigen Promenaden und Rummel aufwartet, sondern mit dem ruht, was die Ostsee im Herzen eigentlich ausmacht: Weite, Natur und eine Portion Melancholie, die das Wasser an trüben Tagen so besonders macht. Süssau – genauer gesagt der Ortsteil Süssauer Strand in der Gemeinde Heringsdorf – ist genau so ein Ort. Und seine Strandpromenade ist ein kleiner Geheimtipp, den es zu entdecken lohnt.
Süssau liegt in Ostholstein, direkt an der Lübecker Bucht, etwa auf halber Strecke zwischen Kellenhusen und dem Heringsdorfer Kernort. Nördlich ragt die Insel Fehmarn in die Ostsee, südlich erstreckt sich die Steilküste bis hinüber nach Dahme. Wer Süssau auf der Landkarte sucht, wird feststellen: Es ist klein, überschaubar, und genau das ist sein Reiz. Wer hierher kommt, sucht keinen lauten Badebetrieb, sondern einen Naturstrand mit Charakter – und eine Promenade, die eher zum Flanieren als zum Shoppen einlädt.
Von der Fischerlandschaft zum Erholungsort
Die Geschichte Süssaus ist tief mit der ostholsteinischen Landschaft verwurzelt. Ursprünglich gehörte das Dorf zum nahegelegenen Gut Siggen, einem der ältesten Güter in Ostholstein, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Wer sich für noch ältere Spuren interessiert, wird in der Nähe fündig: Die Großsteingräber bei Süssau – zwei megalithische Grabanlagen der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur – zeugen davon, dass Menschen schon vor über 5.000 Jahren in dieser Gegend siedelten. Diese Hünengräber gehören zu den ältesten sichtbaren Kulturdenkmälern der Region und sind ein stilles Zeugnis einer Zeit, als die Ostseeküste noch eine ganz andere Bedeutung hatte.
Der Tourismus in Süssau entwickelte sich – verglichen mit den großen Seebädern – spät. Während Orte wie Grömitz bereits im 19. Jahrhundert als Seebäder florierten und prächtige Bäderarchitektur errichteten, blieb Süssau lange ein beschauliches Küstendorf. Erst seit den 1960er Jahren begann sich der Tourismus langsam zu entwickeln, und in den 1970er und 1980er Jahren boomte die Nachfrage so plötzlich, dass viele Einwohner in ihren Häusern Ferienwohnungen einrichteten, um der Nachfrage gerecht zu werden. Bis heute hat Süssau diesen Charakter bewahrt: Es ist ein Ort, der seinen Besuchern persönliche Atmosphäre statt großem Tourismus-Apparat bietet. Viele Gastgeber leben selbst vor Ort und vermitteln ihren Gästen ein Stück echtes Küstenleben.
Die Strandpromenade: Klein, aber fein

Die Strandpromenade von Süssau ist nicht lang – und das ist gut so. Wer hier entlangspaziert, dem geht es nicht darum, Kilometer zurückzulegen, sondern den Moment zu genießen. Die Promenade erstreckt sich entlang des Naturstrands und bietet einen unverstellten Blick auf die Lübecker Bucht. Links das Wasser, rechts die Steilküste, und dazwischen ein schmaler Weg, der sich wie ein natürlicher Teil der Landschaft anfühlt. An klaren Tagen kann man bis zur Insel Fehmarn blicken, und die Segelschiffe, die draußen am Horizont vorbeiziehen, gehören zum täglichen Bild.
Das Besondere an der Süssauer Promenade ist ihre Bescheidenheit. Hier gibt es keine endlose Kette von Souvenirshops und Imbissbuden, keine lauten Attraktionen. Stattdessen findet man eine kleine Gastronomie direkt an der Seebrücke – ein Restaurant, das mit Blick auf die Ostsee frischen Fisch und regionaltypische Gerichte serviert. Die Seebrücke selbst ist ein markanter Punkt: Sie ragt ein Stück in die Ostsee hinein und ist ein beliebter Ort für Sonnenuntergänge, die in Süssau eine ganz eigene Qualität haben. Die Kombination aus klarem Horizont und der Weite der Lübecker Bucht lässt den Himmel in Farben erstrahlen, die man so nur an der Ostsee erlebt.
Die Promenade wurde in den letzten Jahren erneuert und modernisiert, was sie fußgängerfreundlicher und zugänglicher gemacht hat. Die Gemeinde Heringsdorf hat hier investiert, um sowohl die Attraktivität für Gäste als auch den Küstenschutz zu verbessern. Denn so idyllisch die Ostsee sein kann, so ernst kann sie werden, wenn Sturmfluten das Land bedrohen – und davon weiß man in Süssau ein Lied zu singen.
Der Naturstrand: Kurtaxenfrei und hundefreundlich
Einer der größten Vorzüge des Süssauer Strands ist zweifellos die Tatsache, dass er ein Naturstrand ist – und dass für seine Benutzung keine Kurtaxe erhoben wird. Während die meisten anderen Ostseestrände in der Region eine tägliche Gästekarte verlangen, ist der Zugang zum Süssauer Strand komplett frei. Das macht ihn besonders attraktiv für Tagesausflügler und Familien, die spontan an die Ostsee fahren möchten, ohne vorher eine Kurkarte besorgen zu müssen. Diese Freiheit ist an der schleswig-holsteinischen Küste mittlerweile selten geworden und gehört zu den Markenzeichen Süssaus.
Der Strand selbst hat einen sanften Einstieg ins Wasser mit leichtem Gefälle, was ihn auch für Familien mit kleinen Kindern gut geeignet macht. Zwar gibt es einige felsigere Abschnitte, doch überwiegen die sandigen und feinkiesigen Bereiche. Unterhalb der markanten Steilküste, die den Strand landschaftlich einrahmt, befindet sich ein ausgewiesener Hundestrand, auf dem Hunde auch während der Badesaison frei herumtoben dürfen. Der größte Teil des Strandes ist hundefreundlich, und viele Feriengäste kommen gerade wegen dieser Regelung nach Süssau. Für Hundehalter ist das eine Seltenheit an der deutschen Ostseeküste, wo Hunde in der Saison oft nur auf kleine, abgelegene Abschnitte verwiesen werden.

Ein weiterer Pluspunkt: Süssau liegt in der sogenannten “Schönwetterecke” Ostholsteins – einer Region, die statistisch gesehen mehr Sonnenstunden und weniger Niederschlag verzeichnet als andere Küstenabschnitte. Wer also die Ostsee bei Sonnenschein erleben möchte, hat hier statistisch gute Karten. Doch auch bei bewölktem Himmel hat der Naturstrand seinen Reiz: Die Steilküste wirkt dann dramatisch, das Wasser nimmt tiefgrüne und graublaue Töne an, und die Weite der Bucht lässt die Gedanken weit schweifen.
Die Sturmflut von 2023: Als die Ostsee zurückschlug
Am 20. und 21. Oktober 2023 erlebte die schleswig-holsteinische Ostseeküste ein Ereignis, das in die Geschichte eingehen wird. Eine Sturmflut mit nie dagewesenen Wasserständen richtete katastrophale Schäden an der gesamten Küste an. Süssau traf es besonders hart: Die Strandpromenade wurde fast komplett zerstört. Die Wellen warfen die Steine der Promenade gegen Türen und Fenster der anliegenden Häuser, Wasser drang in evakuierte Gebäude ein, und die Feuerwehr war stundenlang damit beschäftigt, das Wasser zurück in die Ostsee zu pumpen. Die Campingplätze in der Nähe mussten evakuiert werden, und die Schäden beliefen sich auf Millionenbeträge.
Die Kreiszeitung berichtete, dass die Promenade “enormen Schaden” erlitten habe und große Abschnitte der Küste abgetragen wurden. Auch ein Jahr nach der Sturmflut war die Sanierung noch nicht abgeschlossen, wie SHZ berichtete. Die Gemeinde Heringsdorf und der Wasser- und Bodenverband haben die Planungen für den Wiederaufbau zügig in Angriff genommen, doch die Dimensionen der Zerstörung sind gewaltig. Insgesamt verursachte die Sturmflut an der gesamten deutschen Ostseeküste Schäden in Höhe von rund 200 Millionen Euro, und ein Mensch verlor sein Leben.
Das Ereignis hat in Süssau das Bewusstsein für den Küstenschutz geschärft. Ein 600 Meter langer Schutzwall aus Big Packs wurde errichtet, und seit 2025 laufen die Arbeiten zur Wiederherstellung des Deckwerks am Regionaldeich Süssau. Der südliche, etwa 600 Meter lange Abschnitt wurde bereits saniert. Die Wiederherstellung der eigentlichen Promenade und des wasserseitigen Deckwerks ist ein komplexes Projekt, das sowohl den Schutz der Anwohner als auch den Erhalt des touristischen Angebots im Blick behalten muss. Die Erfahrung von 2023 hat gezeigt, dass Küstenschutz an der Ostsee keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist – und dass die Natur stärker ist als jede menschliche Konstruktion.

Was es rund um die Promenade zu erleben gibt
Camping direkt am Meer
Süssau ist ein Paradies für Camper. Mehrere Campingplätze liegen in unmittelbarer Nähe zur Strandpromenade, darunter der Camping-Park Süssau, der seit Jahrzehnten familiengeführt wird, und der Campingplatz am Minigolf, der nicht einmal 100 Meter vom Strand entfernt liegt. Auch das Rosenfelder Strand Ostsee Camping in der Nachbarschaft gehört zu den beliebtesten Anlagen der Region. Die Nähe zur Ostsee, die familiäre Atmosphäre und die hervorragende Lage zwischen Seebrücke und Naturstrand machen Süssau zu einem der attraktivsten Campingziele an der schleswig-holsteinischen Küste.
Wassersport und Aktivurlaub
Die Lübecker Bucht bietet ideale Bedingungen für verschiedene Wassersportarten. Segler und Surfer schätzen die günstigen Windverhältnisse, und von der Seebrücke in Süssau aus kann man beobachten, wie die Segelboote aus dem nahegelegenen Hafen von Grömitz in See stechen. Für Familien gibt es in der Umgebung zahlreiche Ausflugsziele: das Erlebnisbad in Grömitz, Kletterparks, Fußball-Golf und Reitmöglichkeiten an der Ostsee. Auch Radfahrer kommen auf ihre Kosten: Der Ostseeküstenradweg führt in der Nähe vorbei und lässt sich hervorragend mit einem Abstecher nach Süssau verbinden.
Ausflugsziele in der Umgebung
Wer Süssau als Ausgangspunkt nutzt, hat eine ganze Reihe sehenswerter Ziele in Reichweite. Das Kloster Cismar mit seiner beeindruckenden Backsteingotik ist nur wenige Kilometer entfernt. Die Insel Fehmarn lädt zu Tagesausflügen ein, und das historische Oldenburg in Holstein bietet mit seinem Schloss und dem Slawendorf Einblicke in die Geschichte der Region. In Grömitz, dem größeren Nachbarn, lässt sich das pulsierendere Seebad-Leben erleben – und wer danach zurück nach Süssau kommt, weiß die Ruhe umso mehr zu schätzen.
Praktische Tipps für den Besuch
Die beste Reisezeit für einen Besuch der Süssauer Strandpromenade hängt davon ab, was man sucht. Im Sommer, von Juni bis August, lockt der Naturstrand mit badetauglichen Wassertemperaturen und langen, hellen Abenden. Doch auch der Herbst hat seinen eigenen Reiz: Wenn die Blätter an der Steilküste sich färben und die Ostsee in tiefen Grautönen schimmert, ist ein Spaziergang entlang der Promenade ein Erlebnis der besonderen Art. Im Winter schließlich hat Süssau eine fast meditative Qualität – die Küste ist menschenleer, und das Rauschen der Wellen klingt lauter als je zuvor.
Anreise: Süssau ist gut mit dem Auto erreichbar über die B501, die entlang der Ostseeküste führt. Mit der Bahn kommt man bis nach Grömitz oder Oldenburg in Holstein und kann von dort mit dem Bus oder Taxi weiterfahren. Parkplätze gibt es in der Nähe der Promenade ausreichend. Da keine Kurtaxe anfällt, spart man sich nicht nur Geld, sondern auch den Weg zur Kurkartenstelle. Für Unterkünfte stehen Ferienwohnungen, Ferienhäuser und Campingplätze zur Verfügung – von einfach bis gehoben ist alles dabei, wobei die persönliche Note der privaten Ferienwohnungen den besonderen Charme Süssaus ausmacht.
Ein Hinweis zum Küstenschutz: Die Sanierungsarbeiten an der Promenade und dem Deckwerk können zu zeitweisen Einschränkungen führen. Es empfiehlt sich, vor dem Besuch aktuelle Informationen bei der Gemeinde Heringsdorf oder den lokalen Tourismusbüros einzuholen. Die Baustellen sind jedoch auch ein Zeichen dafür, dass hier investiert wird – in den Schutz der Küste und die Zukunft dieses besonderen Ortes.
Warum sich der Weg nach Süssau lohnt
Die Strandpromenade von Süssau ist kein Ort der großen Gesten. Sie ist kein kilometerlanges Boulevards mit Leuchtreklamen und Partystränden. Und genau das macht sie so wertvoll. In einer Zeit, in der viele Ostseebäder sich immer ähnlicher werden und die Kommerzialisierung der Küste voranschreitet, ist Süssau ein Gegenentwurf: ein Ort, der Natur über Rummel stellt, Ruhe über Action und Authentizität über Inszenierung. Die Promenade erzählt die Geschichte einer Küste, die sich wandelt – von der jungsteinzeitlichen Besiedlung über die Fischerdorfromantik bis hin zur Herausforderung, die die Sturmflut von 2023 gestellt hat.
Wer die Ostsee in ihrer ursprünglichen Form erleben möchte, ohne auf Komfort zu verzichten, wird in Süssau fündig. Der kurtaxenfreie Naturstrand, die hundefreundliche Atmosphäre, die kleine aber feine Promenade mit ihrer Seebrücke und die persönliche Gastfreundschaft der Einheimischen – all das macht Süssau zu einem Ort, den man nicht vergisst, wenn man einmal da war. Und vielleicht ist es genau das, was die Ostsee am besten kann: einen Ort finden, der einen nicht wieder loslässt.

Quellen und weiterführende Links
- Wikipedia – Heringsdorf (Ostholstein)
- Wikipedia – Großsteingräber bei Süssau
- Kreiszeitung – Sturmflut hat Promenade und Küste zerstört
- Nonstopnews – Strandpromenade durch Sturmflut komplett zerstört
- SHZ – Ein Jahr nach Sturmflut: Sanierung läuft noch
- NDR – Sturmflut an der Ostsee: Berichte und Hintergründe
- NDR – Ein Jahr nach Sturmflut: Nicht alle Deiche repariert
- Wasser- und Bodenverband – Wiederherstellung des Deckwerks
- Sandpfoten – Hundestrand Süssau
- Camping-Park Süssau
- Ostseeurlaub SH – Die Strandpromenade in Süssau